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Geocaching - Moderne Schatzsucher stehen Rede und Antwort: Bernhard Hoëcker und vier Blogger im Gespräch

REDAKTION,13.02.2015

Wie alles begann…

Im Jahr 2000 hatte die US-Regierung den Weg zum Caching freigemacht. Per Gesetz schaffte sie die künstliche Verschlechterung der Genauigkeit des GPS-Signals ab. So ermöglichte sie die zivile Nutzung von GPS-Daten.

Bald entdeckten Hobbyschatzsucher die Möglichkeiten, die sich daraus ergaben. Cacher verstecken überall auf der Welt kleine Dosen mit Tauschinhalten und Logbüchern. Sie veröffentlichen dann die Koordinaten im Internet, so dass andere Sucher diese anschließend finden können. Schnell erwuchs daraus eine riesige Community, der ganz unterschiedliche Typen angehören.

Die Gesprächspartner

Bei uns berichten Bernhard Hoëcker und vier Cache-Blogger über ihr Hobby.

Bernhard Hoëcker, Comedian, Autor und Geocacher, berichtet im Interview von seinem Hobby,by Elke Wetzig, licensed under Creative Commons licence CC BY 2.0.

Der Comedian Bernhard Hoëcker ist bekennender Geocacher. Er hat inzwischen sogar schon drei Bücher zum Geocachen veröffentlicht, in denen er und zusammen mit seinem Freund Martin Zimmermann charmant und witzig über das Hobby berichtet. Im letzten Jahr erschien „Neues aus Geocaching“. Seitdem hat er zwischen 10-15 weitere Caches geborgen. Bei dem Comedian zählt inzwischen nicht mehr die Fundmenge. Er „bückt sich daher nicht mehr „an jeder Autobahntoilette nach einer Dose.“

Thomas „moenk“ Moenkemeier hat nach zehn Jahren Schatzsuche 2013 das Hobby für tot erklärt – und sich dennoch nicht endgültig von ihm abgewandt. Er besitzt noch immer einen eigenen Blog und Podcast, in dem er über seine eigenen Geocache-Erlebnisse, aber auch über die Geocaching-Szene berichtet.

Ungebrochene Begeisterung zeigt sich dagegen bei Benny und Sandra von den „MudMen“, in deren Blog Sie neben wertvollen Tipps ebenfalls Erfahrungsberichte von Caches finden. Bloggerin Ute Sinnecker sieht heute „das Cachen nicht mehr als reine Freizeitbeschäftigung, sondern als ihren Freizeitsport.“ Auf ihrer Seite erhalten Sie vom Abkürzungsverzeichnis bis hin zur Einführung in Rätselcaches ausführliche Informationen rund um das Suchspiel.

Der Weg zum Geocaching

Der Weg zur GPS-Schatzsuche ist bei unseren Gesprächspartnern ähnlich: Sie wurden durch Berichte neugierig und waren dem Hobby schon nach kurzer Zeit verfallen.

Bernhard Hoëcker hat „davon gelesen und es einfach irgendwann mit einem Freund ausprobiert, der ein sehr altmodisches GPS-Gerät hatte.“ Thomas Moenkemeier hatte im Jahr 2003 erstmals in einem Fernsehbericht vom Geocaching gehört und hat darauf seine Leidenschaft für die Dosensuche entdeckt. Vor zwei Jahren hat er dem Geocaching allerdings weitgehend den Rücken gekehrt: Zu inflationär wurden überall Caches ausgelegt, sodass bald galt: „Quantität vor Qualität. Die Innovationen fehlten.“ Ab und zu geht er trotzdem noch auf Dosensuche, wenn auch nicht mehr mit der Begeisterung von einst.

Der erste in Deutschland vergrabene Cache mit dem Namen Germany First ist mittlerweile archiviert und daher auch nicht mehr zu finden. Moenk hat ihn aber noch geborgen.©moenk

Ute Sinnecker ist durch einen TV-Bericht auf die moderne Schnitzeljagd aufmerksam geworden. Sie konnte so „ihre Affinität für Technik und die Liebe zur Natur in einem Hobby verbinden.“ Ihre einstige Freizeitbeschäftigung packte sie so sehr, dass sie ihre Masterarbeit an der Universität darüber schrieb. Darin entwickelte sie ein Konzept, wie geschichtliches Wissen am Beispiel des Rätischen Limes interaktiv durch Geocaching vermittelt werden kann. In diesem Jahr will sie die theoretische Vorarbeit in die Praxis umsetzen.

Ute Sinnecker verbindet ihre abenteuerliche Dosensuche gerne mit dem Hundespaziergang©Ute Sinnecker

Die beiden „MudMen“-Blogger Benny und Sandra wiederum hatten zwar schon über Bekannte und Kollegen vom „mysteriösen“ Spiel Geocaching gehört, sich aber nie wirklich damit auseinandergesetzt. Erst im Sommer 2012 sollte sich den beiden eine neue Hobbywelt erschließen. „Statt im Urlaub nur im Garten zu relaxen“, luden sie sich „die App auf ihr Smartphone – und machten sich auf den Weg zu ihrem ersten Cache.“ Wie Benny zugibt anfangs noch mit wenig Elan.

Der erste Fund war eine kleine Filmdose, nur 400 Meter von der Wohnung entfernt. Erst nach einigen Minuten entdeckten sie die gesuchte Plastikdose mit einem Magnet befestigt an einem Straßenschild. Dieses Erfolgserlebnis infizierte Sandra und Benny mit dem „Cachevirus“, der sie bis heute nicht loslässt. Die beiden Blogger betonen, dass sie „dank dieses Hobbys von echten Couchpotatoes zu richtigen Frischluft-Fanatikern geworden sind.“

Die "MudMen" Sandra und Benny auf dem Weg zu einem Cache vor malerischer Kulisse©MudMen-Ger.de

Tipps von erfahrenen Schatzsuchern für Neueinsteiger

Für das erste Ausprobieren braucht es nicht viel. Sie müssen sich nur die kostenfreie Geocaching-App für das Smartphone herunterladen und den nächsten Cache in der Nähe heraussuchen. Die MudMen haben selbst so angefangen, da es die kostengünstigste Variante ist. Die Blogger würden aber „auch Neueinsteigern bald  zu einem GPS-Gerät raten“: Die sind viel robuster als ein Smartphone und für unter hundert Euro erhältlich. Ute Sinnecker weist zudem daraufhin, „dass GPS-Empfänger keine Verbindung zum Internet benötigen – gerade in der Natur ein unschätzbarer Vorteil gegenüber dem Smartphone.“

Bei der Auswahl des ersten Caches sind sich die Schatzsucher einig: Zu schwer darf er nicht sei, ein schwieriger Cache kann schnell frustrieren und einem die Freude nehmen. Die Caches sind nach Schwierigkeitsgraden „D“ (für Difficult) und „T“ (für Terrain) von 1 bis 5 bewertet. Zum Einstieg raten die Blogger zu Caches mit D/T-Wertungen von 1-2, die am einfachsten sind.

Es ist sinnvoll mit einem sogenannten „Traditional Cache“ zu starten. Ein „Traditional Cache“ ist einfach nur eine normale kleine Dose, die an einem Ort versteckt ist. Ute Sinnecker bevorzugt dabei „einen Geocache in der Natur, da hier ungestörter gesucht werden kann.“ Denn eine wichtige Grundregel des Caching ist: Nicht-Eingeweihte (sogenannte „Geo-Muggel“) sollten Sie nicht beim Bergen des Schatzes beobachten.

Die Geocaching-Ausrüstung auf einen Blick

  • Minimum: Ein Smartphone mit der App + Stift
  • Logstempel
  • Handschuhe
  • Schweizer Taschenmesser
  • GPS-Gerät
  • Taschen- und UV-Lampen – die unabdingbar für Nachtcaches oder Caches mit UV-Hinweisen sind.
  • Erweiterte Cacher-Ausrüstung (ECA): Kletter- und Taucherausrüstung
  • Achtung: Kletter- und Tauchcaches sollten nur mit entsprechender Ausbildung angegangen werden. MudMen: „Die Sicherheit geht vor, nicht jeder Geocache muss gefunden werden.“

Logstempel – Eine Frage des Stils

Ute Sinnecker verewigt sich in den Logbüchern mit Text und ihrem persönlichen Stempel©Ute Sinnecker

Für moenk sind sie „eine Frage des persönlichen Stils: Die Stempel. Bernhard Hoëcker hat die Stempel immer im Auto dabei. Für Benny und Sandra von den MudMen gehört der Logstempel zum Geocaching dazu, wie das benötigte GPS-Signal.“ Für  sie sind Tinten-Prägungen eine „ganz persönliche und kreative Art, das Logbuch zu signieren.“

Bei der Gestaltung des Stempels ist Ihre Kreativität gefragt. Die MudMen stempeln den Namen ihres Blogs und bedanken sich zugleich für den Fund.©MudMen-Ger.de

Ute Sinnecker „macht es mehr Spaß in Logbüchern zu blättern, in denen kreative Logstempelbilder zu sehen sind.“ Dabei empfehlen die Blogger die Stempelplatten mit Namen und Logo zu versehen. Sogar die offizielle Trackingnummer drucken manche Schatzsucher ab. Finder können die Nummer dann auf der offiziellen Geocaching-Plattform „geocaching.com“ loggen – und so anzeigen, dass sie den Stempel im Geocache XY gesehen haben.

Die Letterbox

Es gibt einen Geocache-Typen, der die Nutzung der Stempel sogar vorsieht: Die Letterbox. Hier führen Hinweise die Cacher zu der Dose, in deren Logbuch sie mit dem eigenen Stempel loggen. Zwar wird auch ein Eintrag mit Stift oder mit dem Fingerabdruck akzeptiert, aber der eigentliche Sinn der Letterbox ist das Abstempeln.

Am liebsten nutzen Benny und Sandra die Logstempel bei Klettercaches. Denn wenn sie im Seil hängen, finden sie so zu Loggen wesentlich angenehmer als in fünfzehn Metern Höhe noch mit einem Stift herumzuhantieren. Und auch bei der Lesbarkeit des Logs hat der Stempel definitiv die Nase vorn.

Bei uns können Sie sich ihren individuellen Geocache-Stempel anfertigen – besonders zu empfehlen sind der Colop Pocket Stamp oder der Trodat Mobile Printy. Beide überzeugen durch ihre kompakte Größe und passen so wunderbar in die Hosentasche, sodass sie jederzeit griffbereit zum Loggen sind. Ute Sinnecker besitzt einen Logstempel Printy Mobil von Trodat. Sie hebt vor allem hervor, dass der Stempel bei jedem Wetter ein sauberes Stempelbild auf alle Papierarten druckt. Ihr Stempelbild zeigt ein offenes Vorhängeschloss mit der Beschriftung „Found It!“ sowie ihren Nickname.

Logstempel wie der Colop Pocket Stamp passen in jede Hosentasche und eignen sich so ideal zum Mitnehmen

Die Planungsphase einer GPS-Schnitzeljagd

Die Planung läuft je nach Vorhaben sehr unterschiedlich ab. Manchmal lassen sich unsere Gesprächspartner einfach per App anzeigen, welche Funde in der Nähe liegen und begeben sich auf die Suche. Meist gehört aber schon eine gewisse Planung dazu.

Ute Sinnecker macht dies von ihrem Vorhaben abhängig. Geht sie „mit ihrem Hund spazieren, sucht sie nette Rundtouren in der Natur heraus.“ Ihr Begleiter auf vier Pfoten hat sogar schon das Dosensuchen gelernt. Für den Urlaub oder längere Ausflüge sucht die Bloggerin dagegen „die ganz besonderen Caches, die zu tollen Locations führen.“

Für diesen Sommer planen die MudMen eine 14-tägige Reise nach Irland. Die Planungen hier laufen bereits auf Hochtouren. Denn die Insel soll dabei einmal umrundet werden – die Fahrtstrecke stecken Sie anhand von Geocaches ab.

Auch Bernhard Hoëcker plant mit seinen Freunden teilweise lange im Voraus. Um wie zuletzt Dosen in Australien oder Samoa zu finden, bedarf es eben etwas Planung. Sogar nach Turkmenistan ist er geflogen – um das Land zu sehen, aber vor allem um sich einen Cache beim „Door to Hell“ und damit einen Länderpunkt zu sichern.

Benny und Sandra können die Verbindung von „Sightseeing und Geocaching jedem nur wärmstens empfehlen. Man sieht Ecken von einer Stadt oder von einem Land, welche man als Otto-Normal-Touri nicht zu Gesicht bekommen würde.“

Der ideale Cache

Pauschal lässt sich der ideale Cache nicht beschreiben – soweit sind sich alle Blogger einig. Sandra und Benny waren vor einigen Wochen am Eibsee am Fuß der Zugspitze unterwegs. Dort haben sie eine ganz normale Dose gefunden. Zuhause wären sie „davon nicht weiter beeindruckt gewesen. Aber die Landschaft war so imposant, dass uns der Cache lange im Gedächtnis bleiben wird.“ Für Ute Sinnecker ist vor allem wichtig, dass „die Suche nicht nur nach Schema F abläuft – ein wenig Spannung und Gruseleffekte dürfen gerne auch noch dabei sein.“

Atemberaubende Landschaften machen einen Cache zu etwas Besonderem©iStock/tobi

Fazit der MudMen: „Ideal ist ein Geocache, wenn er ein „Wow“-Gefühl auslöst. Das kann eine toll gestaltete Dose,  ein kreatives Rätsel oder eine beeindruckende Landschaft sein.“

Einmal Indiana Jones sein: Mysterys und Abenteuer-Caches

„Mystery-Caches“ können die Schatzsucher erst finden, wenn sie die Rätsel gelöst haben, die die Koordinaten verraten. Bei Mysterys, so die MudMen-Blogger, „kann man sich so richtig wie Indiana Jones fühlen.“ Die Rätsel sind manchmal so schwierig, dass sie die Tüftler von einigen Tagen bis hin zu mehreren Monaten beschäftigen. Sie sind daher in der Community geliebt wie gehasst. Insbesondere mit Chiffriercodes gesicherte Koordinaten bedürfen oft kreativer Entschlüsselungen.

Auch in der Dunkelheit der Nacht begeben sich Geocacher auf die Suche nach den Dosen.©MudMen-Ger.de

Sandra und Benny finden „Mysterys spannend, denn sie beschäftigen sich mit Themen, zu denen sie vorher keinen Draht hatten. Und gerade in einer Gruppe macht das Rätsel lösen richtig Spaß.“ Ein Mystery, dessen Namen sie nicht verraten, um keine Lösungen vorwegzunehmen, ist ihnen im Gedächtnis geblieben:

„Wir mussten einmal ein Rätsel zum Thema „Raumfahrt“ lösen.  Über den Quellcode der Cachebeschreibung erhielten wir eine Datei. Diese Datei musste mit der Desktopanwendung von Google Earth geöffnet werden. Mitten in einer deutschen Stadt erschien daraufhin eine virtuelle Raketenabschussbasis. Auf einer der Raketen war in Miniaturschrift eine weitere Internetadresse hinterlegt. Auf der Website wurde eine Mondlandung simuliert, wo wir die richtigen Knöpfe zu Funksprüchen drücken mussten, um an die Koordinaten zu kommen.“

Die kniffligste Schatzsuche für Ute Sinnecker hatte den Namen „Schatz der Ulmer, Bundesfestung Ulm“, hinter der sich „eine regelrechte Adventure-Führung verbarg. Dreckig werden stand hier an der Tagesordnung. Erst nach 10 Stunden knobeln, tüfteln und körperlichen Anstrengungen konnten wir uns ins Logbuch eintragen.“

Bei Rätsel- und Abenteuercaches sind Kreativität und Durchhaltevermögen gefragt©Ute Sinnecker

Die Grundregeln beim Verstecken

Erfahrene Cacher wissen: Wer die Begeisterung für das Suchen entdeckt, wird auch Verstecken wollen. Hier gibt es allerdings allerlei zu beachten. Unsere Blogger empfehlen auf jeden Fall „einige Monate Such-Erfahrung, bevor Sie einen eigenen Geocache verstecken.“ Denn es ist nicht damit getan, einfach nur den „Schatz“ irgendwo abzulegen. „Je schöner und kreativer die Location, desto mehr Freude haben die anderen Geocacher beim Suchen“ – und rechnen Ihnen das dann auch an.

Bernhard Hoëcker legt seine „Dosen vor allem auf hohen Berggipfeln ab. Mein Problem ist die Wartung, aber meist finde ich Menschen, die in der Nähe wohnen und ab und an vorbei laufen. Die Dosen selber werden aber nur ein paar Mal im Jahr gefunden.“

Zudem sollten sich Cache-Setzer unbedingt mit den Regeln in den Guidelines auseinandersetzen. Reviewer, ehrenamtliche Helfer, überprüfen dann den Fund. In der Regel zwar nicht vor Ort, aber mit Hilfsmitteln wie Google Earth, um sich einen Überblick über die Lage des Geocaches zu verschaffen.

So dürfen die Wege in einem Naturschutzgebiet nicht verlassen werden, um einen Cache zu finden. Auch Privatgrundstücke sollten Sie nicht als Versteck auswählen. Zumindest sollten Sie mit den Besitzern oder z.B. Jägern oder Forstwirten sprechen, um deren Zustimmung zu erhalten. Hält ein Cacher die Regeln nicht ein, gerät er schnell in Ungnade in der Cache-Gemeinschaft.

Fazit: Wer sich an die Grundregeln hält, kann sein Hobby um eine weitere Facette erweitern und anderen Schatzsuchern so die schönsten Flecken der Welt näherbringen, die ohne Cache womöglich unentdeckt blieben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Suchen und Verstecken und bedanken uns recht herzlichen bei unseren Gesprächspartnern.

Titelbild: ©iStock/leaf

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