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Die Stempelherstellung früher vs. heute: Vom Holzschnitz zur Lasergravur

REDAKTION,20.03.2015

Der Flexograf: Stempelmacher und -künstler

Die Technisierung fängt schon bei der Berufsbezeichnung an: Der Flexograf ist der moderne Begriff für den professionellen Stempelmacher. Diese Bezeichnung leitet sich ab von der Flexodruckplatte – einer flexiblen Druckform aus Kunststoff oder Gummi. Mit dem Einzug der Technik in das Flexografen-Handwerk bieten sich heutzutage viel mehr Möglichkeiten der Herstellung. „Moderne Stempel haben mit denen aus früheren Zeiten kaum noch etwas zu tun“, sagt auch Torben Thorn, Geschäftsführer der Bundesinnung für das Flexografen-Handwerk (Quelle).

Über 300 verschiedene Stempelarten existieren heutzutage, die in allen möglichen Bereichen Anwendung finden, wie zum Beispiel in Fahrkartenentwertern und Stempeluhren. Zudem stellen Flexografen schon längst nicht mehr nur Stempel her, sondern unter anderem auch Schilder und Druckvorlagen für Printprodukte.

All diese Flexografie-Produkte müssen vor der Herstellung und Montage natürlich erst professionell am PC entworfen und erstellt werden. Kein Wunder also, dass der moderne Flexograf neben dem Umgang mit Produktionsmaschinen auch unterschiedliche Softwareprogramme für die Gestaltung beherrscht. (Quelle:)

Mediengestalterin Flexografie. Bildquelle: Bundesverband Druck und Medien at en.wikipedia/ commons.wikimedia.org

 

Die Stempelherstellung vor Gutenberg

Römischer Stempel. Bildquelle: Wolfgang Sauber at en.wikipedia/ commons.wikimedia.org

Vor Gutenberg, geschweige denn vor der Erfindung moderner Drucktechnologien, gab es zwar auch schon Stempel, diese wurden jedoch mit einfachsten Mitteln hergestellt. Knochen, Ton, Holz oder Metall verwendeten die Stempelmacher vor mehr als 6500 Jahren im alten Rom und Ägypten zur manuellen Herstellung ihrer Stempel (Quelle). Sie wurden entweder aus den jeweiligen Materialien geschnitzt, in Metall graviert oder daraus gegossen (Quelle).

Erst sehr viel später wurden die Vorzüge flexibler Stempelflächen aus Gummi oder Leder entdeckt. „Die Erfindung des Gummi war ein Meilenstein für die Stempelmacher“, bemerkt der Flexograf Torben Thorn (Quelle). Mit Gummi oder Leder bezogene Holzstempel waren nicht nur einfacher zu verwenden, die feineren Materialien boten auch viel bessere Gestaltungsmöglichkeiten im Gegensatz zu festen Substanzen wie Ton. Stempeltexte konnten nun verfeinert werden und man war nicht mehr auf einfache Schriftzeichen beschränkt. (Quelle)

Mit der Entdeckung flexibler Stempelflächen fand der Stempel schließlich in verschiedenen Gebieten, hauptsächlich jedoch dem Postwesen, Anwendung. Hier ein Überblick über die ersten Stempel und ihre Einsatzgebiete:

Siegel:

Das mittelalterliche Siegel ist der Vorläufer des Stempels. Jeder Kardinal, jeder Orden und jeder Fürst besaß damals seinen eigenen Siegelstempel (Quelle). Dieser wurde in flüssiges Wachs gedrückt und diente unter anderem zur Beglaubigung von Urkunden oder um sicherzustellen, dass Briefumschläge nicht vor dem offiziellen Empfänger geöffnet wurden.

Poststempel:

Der früheste bekannte Stempel stammte aus dem Jahr 1449 und kam aus Venedig. Aufgrund der Inschrift „Mediolarum Cursores“ (dt.: Mailänder Kurier) geht man davon aus, dass dieser für postalische Zwecke verwendet wurde. Erst etwa ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden Stempel vermehrt im Postwesen eingesetzt. Diese enthielten Angaben wie den Postort sowie das Ein-und Ausgangsdatum der Sendung. Mithilfe der von Henry Bishop, dem Generalpostmeister von England, erfundenen Datumsstempel ließen sich endlich die Laufzeiten der Post besser kontrollieren.

Bezahlt-Stempel:

Kurze Zeit nach der Etablierung der Poststempels entstanden die Bezahlt-Stempel, die meist als Beleg für vorausbezahltes Porto dienten Der erste Stempel dieser Art entstammte dem Jahr 1681, kam aus London und trug die Inschrift „Paid One Penny“.

Moderne Verfahren der Stempelherstellung

Bildquelle: ©Easystempel/Heinz Tönges

Mittlerweile hat sich einiges getan im Flexografen-Handwerk. Die Kunst des manuellen Stempelschneidens wurde schon längst abgelöst von hochmodernen maschinellen Herstellungsverfahren. Nicht nur die Techniken der Textplattenherstellung haben sich um einiges verbessert, sondern auch das dafür verwendete Material.

Die heutigen vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Stempeln in Institutionen wie Schulen, Behörden oder Arztpraxen erfordern nicht nur eine verbesserte Lesbarkeit, sondern auch eine erhöhte Langlebigkeit der Stempel in Bezug auf Elastizität und Stabilität. Diese Voraussetzungen erfüllen Materialien aus Kunststoff, die durch maschinelle Fertigungsverfahren graviert werden. Doch welche Verfahren sind heutzutage üblich und wie genau laufen die technisierten Herstellungsprozesse ab?

Die drei beliebtesten Techniken der Stempelherstellung:

  • Lasertechnik
  • Photopolymer
  • Vulkanisation

1. Lasertechnik

„Die meist verwendete Technologie ist heute die Lasergravur“, sagt Heinz Tönges, Betreiber von Easystempel. „Die Lasergravur wird seit ca. 15 Jahren eingesetzt. Verändert hat sich grundsätzlich wenig. Nur die Laser werden immer besser. Sie lasern mittlerweile sauberer und schneller. Rotatives Lasern beispielsweise bringt einen enormen Geschwindigkeitszuwachs“. Das Beste auf dem Lasermarkt sind nach Empfehlung von Heinz Tönges die Laser von Trotec Laserati. Der Gesamtvorgang dieses Herstellungsverfahrens ist nicht nur relativ kurz (im Normalfall nur wenige Minuten), sondern auch sehr präzise. Selbst kleine Details bei Logos können sehr fein herausgearbeitet werden – auch bei unflexibleren Materialien wie Glas oder Metallen (Quelle).

 

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Der Herstellprozess:

Schritt 1: Der Schriftzug beziehungsweise das entworfene Logo wird mithilfe des Laserstrahls in die Gummiplatte graviert, indem die nichtdruckenden Bereiche weggebrannt werden.

 

Schritt 2: Die Platte wird dann mit doppelseitig klebendem Moosgummi unterfüttert und passend zugeschnitten.

Schritt 3: Anschließend wird die Stempelplatte an der Grundplatte des Stempels befestigt und es kann gestempelt werden.

2. Photopolymer

Bereits im 20. Jahrhundert wurden polymere Kunstharze entwickelt, die eine weitaus stabilere Konsistenz aufweisen als die bis dato zur Stempelherstellung verwendeten Naturharze. Heutzutage ist die Verwendung dieses Materials jedoch bereits wieder veraltet: „Photopolymer findet sich nur noch selten, zum Beispiel bei kleinen Stempelherstellern.“, meint auch Heinz Tönges.

Interessant ist dieses Verfahren daher zum Beispiel auch für Hobbybastler, die selbst einen Stempel herstellen möchten. Photopolymer findet sich normalerweise in jedem gut ausgestatteten Bastlerbedarf.

Druckplattenrelief. Bildquelle: Celshader at en.wikipedia/ commons.wikimedia.org

Der Herstellprozess:

  • Zunächst wird das zähflüssige Polymer auf eine Trägerfolie aufgetragen.
  • Auf das Polymer werden nun eine Schutzfolie und darüber ein Negativfilm gelegt. Die druckenden Stellen des Films sind durchsichtig.
  • Der Negativfilm mit dem Polymer darunter wird mittels UV-Licht bestrahlt. Die belichteten, also die später druckenden Bereiche, härten durch die Strahlung aus. Die unbelichteten Stellen bleiben flüssig.
  • Zum Schluss werden die flüssigen nichtdruckenden Stellen mittels Seifenlauge ausgewaschen.

3. Vulkanisation

Das älteste Verfahren zur Herstellung von Stempelplatten ist mittels Vulkanisation von Kautschuk. „Große Auflagen werden auch heute noch aus Kostengründen vulkanisiert“, sagt Heinz Tönges. Und tatsächlich ist der Prozess der Vulkanisation im Vergleich zu den anderen beiden Verfahren nicht nur mit weniger Zeit und Kosten verbunden, sondern auch relativ simpel. Zudem sind durch Vulkanisation hergestellte Stempel nicht nur besonders stabil, sondern auch äußerst elastisch (Quelle).

 Der Herstellprozess:

  • Die Gummiplatte wird in eine Vulkanisierpresse gelegt. In dieser befindet sich die entsprechende Druckform. Durch   Erhitzen wird der Gummi nun von einem plastischen in einen elastischen Zustand überführt.
  •  In den elastischen Gummi formt die Druckform der Presse nun durch Hydraulikdruck das Druckbild und lässt es abkühlen.
  •  Schließlich nimmt man den ausgehärteten Gummi von der Druckform und schneidet diesen zu.

Heute nutzen Stempelhersteller bei der Vulkanisation eine Mater und eine von der Industrie  vorgefertigte Gummiplatte. Die Vulkanisierpresse erzeugt bei der Herstellung das Druckbild einer Mater. Wie der Prozess genau aussieht, können Sie sich hier ansehen. 

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In Anbetracht der fortschreitenden Entwicklungen und Innovationen im Bereich der modernen Stempelherstellung bleibt es spannend, wie sich das Berufsbild des Flexografen weiterhin verändern wird. Fest steht jedoch: Die Kunst des Stempelmachens wird auch im modernen Zeitalter der Digitalisierung gefragt sein.

 

 

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